Weltfrauentag

Gestern war Weltfrauentag.


 Ich wollte etwas dazu schreiben, aber ehrlich gesagt: ich bin müde, immer und immer wieder das Gleiche zu erzählen. Mache es trotzdem, wenn auch am Tag danach. 


Weltfrauentag. Ein Tag, an dem wir über Rechte, Chancen und die Stärke von Frauen sprechen.


Und ich frage mich:
Was bedeutet dieser Tag für die Frauen im ländlichen Raum, wenn gleichzeitig ihre Geburtshilfen verschwinden? Liebe Frauen im Sannenland, im Simmen-, Kander-, Engstligtal, was macht ein solcher Tag mit euch? Und liebe Haslitalerinnen, was denkt ihr über die Entwicklung? Und die Liste könnte weitergeführt werden… 


Ich arbeitete über 10 Jahre als Beleghebamme in Frutigen. Vor einem Jahr wurde unsere Geburtshilfe innerhalb von nur 11 Tagen geschlossen.


11 Tage. 


So lange hat es gedauert, eine funktionierende Geburtshilfe zu beenden. Einen Ort zu schliessen, an dem Generationen von Kindern geboren wurden. Über die Kantonsgrenze hinaus bekannt und beliebt. Ein Vorzeigemodell, welches die 1:1-Begleitung und die individuelle und familienzentrierte Begleitung wirklich gelebt hat.

Seitdem müssen Frauen für die Geburt weite Wege auf sich nehmen. Wege, die länger sind als viele Wehenpausen. Wege, die Angst und Unsicherheit bringen in einem Moment, der eigentlich von Vertrauen getragen sein sollte. 


Auch im benachbarten Simmental/Saanenland sieht sie Situation nicht besser aus - im Gegenteil. Die grossen Player haben das letzte Wort (und übrigens wurden wir nicht mal gefragt - sie haben also das alleinige Wort), und wir Hebammen versuchen nun, das entstandene Loch zu füllen. Aber was wir nun versuchen, ist aktuell einfach „Pflästerlipolitik“. Aber das ist ein anderes Thema. 


Geburt lässt sich nicht zentralisieren wie eine Verwaltung. Sie lässt sich nicht effizienter machen, indem man sie weiter weg verlegt.

Geburt passiert dort, wo Frauen leben. Und trotzdem verschwinden Geburtshilfen gerade vor allem dort, wo die Wege sowieso schon weit sind.


Am Weltfrauentag feiern wir Gleichstellung.


Aber was bedeutet Gleichstellung, wenn eine Frau in der Stadt zwischen mehreren Geburtsorten wählen kann – und eine Frau auf dem Land erst einmal eine Stunde fahren muss, wenn ihr Kind kommt?

Geburtshilfe im ländlichen Raum ist kein Luxus.


Sie ist Grundversorgung.


Und ehrlich gesagt macht es mich wütend, dass wir jedes Jahr am Weltfrauentag schöne Worte hören – während gleichzeitig Strukturen verschwinden, die Frauen und Familien Sicherheit geben.

Frauen verdienen mehr als symbolische Anerkennung einmal im Jahr.


Sie verdienen eine Geburtshilfe, die erreichbar ist.


Überall.

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Kommentare: 2
  • #1

    Hebamme Vera Perzl (Montag, 09 März 2026 21:32)

    so schön und treffend geschrieben! und es macht einen einfach nur ‚stinkmorehässig‘!! � Das Geburtshilfe heute ein Business und rentabel sein muss ist die grösste Frechheit auf Kosten von Müttern und ihren Familien. also längerfristig der ganzen Gesellschaft. bis zur Nasenspitze gedacht und nicht weiter. zum Glück sind die Geburtenzahlen ja auch nicht sinkend �

  • #2

    Luke (Dienstag, 10 März 2026 19:43)

    Besten Dank für den Text. Liebe Frauen. Die aktuelle Weltlage verbessert die Stellung der Frau noch weniger! Es wird wieder schlechter! Je konservativer die Regierung, desto schlechter wird es für die Frauen!